Die Miniaturensammlung

“Porträt eines jungen Mediziners”, P. de Charpentier um 1750

Das Museum für Hamburgische Geschichte besitzt eine kleine, exquisite Sammlung von rund 200 Porträtminiaturen vom 17.-19. Jahrhundert. Das sind kleinstformatige Bildnisse die in pünktelnder oder strichelnder Manier in Aquarell oder mit Silberstift auf Pergament, Elfenbein oder Papier gemalt sind. Zunächst ein Luxusgut der höfischen Kreise wurden sie im 19. Jahrhundert auch von Hamburger Kaufleuten und Handwerkern als Erinnerung an geliebte Menschen in Auftrag gegeben und vermitteln immer einen sehr persönlichen Zugang zu den Dargestellten. Nach dem Aufkommen der Fotografie wurden kaum noch Miniaturen hergestellt – sie gerieten in Vergessenheit.
Die Bildnisse sind meistens oval, mit einem gewölbten Glas geschützt und kostbar gerahmt. Die Medaillonform wurde häufig als Schmuckstück getragen. Auf der Rückseite gibt es Verzierungen wie Blumenmotive, geflochtene Haare des Dargestellten und kunstvolle Monogramme.
Miniaturen, die Hamburger abbilden oder in Hamburg gemalt worden, sind eine absolute Besonderheit. Die älteste Miniatur der Sammlung zeigt den Tuchhändler und Mitglied der Englandfahrer-Gesellschaft, Wilhelm Stadtländer und wurde 1670 von dem berühmten Miniaturisten Samuel Cooper gemalt.
Die meisten Miniaturen entstanden zwischen 1780 und 1830. Es handelt sich vorwiegend um Brustbildnisse in zeitgenössischer Kleidung vor neutralem Hintergrund oder einer Landschaft. Die Malerei sollte – wie auch später die Fotografie – ein persönliches Bild des Dargestellten vermitteln. Gleichzeitig war es durchaus erlaubt, das Abbild dem Schönheitsideal anzupassen. In Einzelfällen erfolgte auch eine Selbstdarstellung mit Symbolen des Standes oder des Berufes.

Schäden
Miniaturen sind sehr klima- und lichtempfindlich. Darauf wurde  in der Vergangenheit  zu wenig Rücksicht genommen: Mehr als 80 % der Sammlung sind stark gefährdet.
Besonders häufig werden folgende Schadensbilder angetroffen:
„Weinendes Glas“ tritt auf, wenn bei der Glasherstellung zu wenig Kalk und zu viel alkalische Substanzen zugefügt wurden. Der Alkaliüberschuss wandert bei feuchtem Klima aus dem Glas aus – es bildet sich eine basische Lösung, die in Tropfenform am Glas hängt und weitere Bestandteile herauslöst. In Folge dessen entstehen Salzkristalle und schließlich bildet sich im Glas ein Rissnetz aus und es verliert seine Stabilität. Dieser Prozess ist nicht umkehrbar und kann nicht aufgehalten werden. 45% des Bestandes sind betroffen.
Die Tropfenbildung auf der Glasinnenseite führt zu einem alkalischen Mikroklima zwischen Malerei und Glas das weitere Schäden verursacht:
Die Malschicht wird angegriffen, es kommt zu Kristallbildungen in der Malschicht, zu Farbveränderungen, zu hochstehenden Malschichtschollen und Ausbrüchen. Schäden an Bildträger und Malschicht wurden bei 40% der Miniaturen festgestellt.
Ein weiterer Schaden, der durch hohe Feuchtigkeit verursacht wird, ist die Schimmelbildung. Sie betrifft ca. 20 % des Bestandes. Der Schimmel findet einen guten Nährboden im Malmittel der Miniaturen, das meist aus Gummi Arabicum  versetzt mit Kandiszucker oder auch Speichel besteht. In alten Rezepten wird auch Knoblauchsaft, Ohrenschmalz u.v.m. empfohlen. Der Schimmel  bildet auf der Oberfläche einen Pilzrasen, der in die Malschicht wächst, Bindemittel abbaut und  Verfärbungen verursacht.
Die Metallreifen der Rahmung, die häufig aus vergoldetem Kupfer bestehen, bilden schwarze oder grüne Korrosionsschichten aus.
Die Einrahmung ist bei 90 % aller Miniaturen schadhaft. Gläser sind gebrochen, Verschmutzungen befinden sich unter dem Glas, Metallzargen, die die Miniatur rückseitig halten sollen, sind abgebrochen,  Gläser sind nicht fixiert und haben direkten Kontakt zur Malschicht.

Was ist zu tun?
Jede Miniatur benötigt ihre individuellen Maßnahmen. Nachfolgend werden die am häufigsten vorkommenden Arbeitsschritte zusamengefasst:

Fast alle Miniaturen müssen vorsichtig ausgerahmt oder geöffnet werden, alte Verklebungen werden abgenommen. Rahmen und Etuis werden gereinigt und teilweise verleimt und ergänzt, Korrosionsschichten abgenommen oder reduziert. Die Deckgläser müssen gereinigt und in vielen Fällen beschichtet oder ausgetauscht werden. Die Malschicht wird kontrolliert, gefestigt und gereinigt, in einigen Fällen retuschiert. Die Elfenbeinplättchen sind oft verwellt und müssen in einer Klimakammer ganz allmählich planiert werden. Risse werden verklebt oder hinterlegt. Bei der Neueinrahmung wird ein Abstand zwischen Deckglas und Malschicht geschaffen, ein säurefreier Rückseitenschutz eingelegt und die Befestigung im Rahmen oder Etui verbessert.

Wie kann ich Pate werden?
Helfen Sie uns, die Miniaturen zu retten indem Sie eine Restaurierungspatenschaft übernehmen oder verschenken. Suchen Sie sich Ihre Lieblingsminiatur heraus. Dort sind auch die Schäden und der Restaurierungsaufwand angegeben.  Mit Ihrer zweckgebundenen Spende kann die Miniatur dann bearbeitet werden.

Nähere Informationen gibt Ihnen gern Silke Beiner-Büth, Restauratorin,
Tel. 040-428132-401 oder silke.beiner-bueth@hamburgmuseum.de.
Spendenkonto:
Stiftung Historische Museen Hamburg
HSH Nordbank
IBAN: DE 322 105 000 001 018 810 00
BIC-SWIFT: HSHNDEHHXXX
Verwendungszweck: Restaurierungspatenschaft; dazu die Nummer der gewählten Miniatur.  Bitte geben Sie auch Ihre Adresse/Mailadresse an.

Was bekomme ich, wenn ich Pate werde?
Einmal jährlich laden wir alle Förderer zu einem Patenschaftstag ein, an dem Sie ihr Patenobjekt von Nahem in Augenschein nehmen können und von Mitarbeitern des Museums über Schäden und Maßnahmen informiert werden. Für Ihre Spende erhalten Sie eine Reproduktion Ihres Patenobjektes und finden Erwähnung auf unserer Website. In Höhe der Spende senden wir Ihnen  eine steuerlich absetzbare Bescheinigung.
Bei Spenden über 500,- Euro erhalten die Paten einen kleinen Medaillon-Schmuckanhänger aus Bronze mit dem Abbild der betreffenden Miniatur.

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